Evangelische Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow


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Bonhoeffer 

Programmheft

ARTIKEL VON BISCHOF WOLFGANG HUBER „CHRISTSEIN HEISST MENSCHSEIN“ ZUM 100. GEBURTSTAG DIETRICH BONHOEFFERS AM 4.2.2006

Der 9. April 1945 war ein Montag. Im Morgengrauen dieses Tages wurde Dietrich Bonhoeffer zusammen mit Wilhelm Canaris, Ludwig Gehre, Hans Oster, Karl Sack und Theodor Strünck im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Das standgerichtliche Verfahren, das dem vorausging, sprach allem Recht Hohn. Es war ein Befehl des Führers, zu dessen Erfüllung sich Ankläger wie Richter hergaben.

Noch in den letzten Wochen vor ihrem Untergang rächte sich die Naziherrschaft an Menschen, die gegen sie aufbegehrten. Sie besiegelte damit deren unfreiwilliges Martyrium; gerade dadurch bleiben diese Blutzeugen über die Generationen hinweg Vorbilder der Zivilcourage und des Glaubensmuts. Am 4. Februar vor hundert Jahren ist Dietrich Bonhoeffer geboren.

Bonhoeffer sagte von sich selbst, er sei Theologe geworden, bevor er Christ war. Doch die Faszination seiner Person ergibt sich daraus, dass sich sein Lebenslauf, der ihn zu einem Glaubenszeugen in einem besonderen Sinne des Wortes gemacht hat, mit einem theologischen Werk verbindet, das auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch sehr viel an Anregungspotenzial und Orientierungskraft enthält. Im Zentrum dieser engen Verbindung steht der Schritt vom Theologen zum Christen.

Es gibt ein Zeugnis von Dietrich Bonhoeffer, in dem er deutlich macht, dass er 1932 die Bergpredigt in ihrer klaren Verpflichtung zu Frieden und Gerechtigkeit entdeckt habe wie nie zuvor. Diese Begegnung machte ihn, wie er in selbstkritischer Abgrenzung gegenüber vorausliegenden Phasen seines Lebens sagte, zum Christen. Und sie gab zugleich seiner ethischen Haltung eine Klarheit, die sich zwar schon angebahnt, aber noch nicht im Letzten durchgesetzt hatte. Die Verpflichtung auf Frieden und Gerechtigkeit wurde nun zum bestimmenden Grundmotiv. Daraus zog Bonhoeffer auch persönlich Konsequenzen. Er verzichtete auf eine akademische Karriere und übernahm stattdessen die Ausbildung künftiger Pfarrer der Bekennenden Kirche. Er sprach sich so deutlich gegen die Rechtsbeugung des Nazi-Regimes aus, dass ein Schreibverbot die Folge war. In der Gewissheit, dass er den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigern würde, ließ er sich unmittelbar vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zu einem Gastaufenthalt am Union Theological Seminary in New York einladen. In den USA, wo er hätte bleiben können, hielt er es nicht aus; denn er wollte Verantwortung für die Zukunft Deutschlands nach dem Ende der Diktatur wahrnehmen – und dazu musste er in das Land des Diktators zurückkehren. Bonhoeffer verband ein großes ökumenisches Engagement mit einem persönlichen Einsatz für Deutschland. Der Schritt in den Widerstand war unausweichlich. Er aber führte in die Haft und in den frühen Tod.

Verantwortung und Stellvertretung – das waren schon früh die Themen von Bonhoeffers Leben und seiner Theologie. So sehr ließ Bonhoeffer sich von diesen Themen bestimmen, dass er das Dasein für andere zum prägenden Begriff der Ethik und die Kirche für andere zum prägenden Begriff der Lehre von der Kirche werden ließ. In seiner Zeit im Finkenwalder Predigerseminar entwickelte und praktizierte er eine Spiritualität des Gemeinsamen Lebens. Seine eigene religiöse Praxis machte ihn für die notwendige Kritik an der Religion so sensibel, dass er sogar von einem Übergang in eine religionslose Zeit sprach und nach den Möglichkeiten eines religionslosen Christentums fragte.

In den theologischen Briefen aus dem Gefängnis in Tegel aus dem Jahr 1944 knüpft Bonhoeffer an die Zeit in Finkenwalde an. Dass das Sein in Christus von Paulus als eine neue Schöpfung bezeichnet wird, heißt für Bonhoeffer, dass in Christus nicht eine neue Religion gestiftet, sondern ein Stück Welt neu geschaffen wird. Dem entspringt ein Glaube, der in der Welt gelebt wird und sich auf die Weltlichkeit der Welt einlässt. Christsein heißt nicht, in einer bestimmten Weise religiös sein, auf Grund irgendeiner Methodik etwas aus sich machen (einen Sünder, Büßer oder einen Heiligen), sondern es heißt Menschsein. ... Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben. In einer Theologie des Karfreitags hat seine These vom Ende der Religion ihren tiefsten Grund.

Diese These richtet sich gegen die Vorstellung von der Gottesbeziehung als einem besonderen Lebensbereich des Menschen, die es beispielsweise nur mit der Innerlichkeit des Menschen zu tun hat. Sie wehrt sich dagegen, Gott als einen Lückenbüßer heranzuziehen, wenn die Möglichkeiten menschlichen Erklärens an eine Grenze stoßen. Bonhoeffers These widerspricht damit einer Tendenz, die Schwäche des Menschen und die Grenzen menschlicher Möglichkeiten dafür zu nutzen, die Notwendigkeit von Religion zu demonstrieren. Soweit auch das Christentum dieser Tendenz folgt, muss nach Bonhoeffer eine Abkehr von der religiösen Gewandung des Christentums erfolgen – und zwar um seiner Substanz willen. Ein Christentum, das mit der Mündigkeit des modernen Menschen kompatibel ist, bedarf der Suche nach einer neuen Sprache und nach einer nichtreligiösen Interpretation ihrer biblischen Grundbegriffe. Diese Sprache findet Bonhoeffer, indem er an die Seite des leidenden Christus tritt.

Heute werden wir dieser Überlegung entgegenhalten, dass Religion auch unter den Bedingungen der Moderne ein Teil der Lebenswirklichkeit und eine notwendige Gestalt des christlichen Glaubens bleibt. Dennoch hat Bonhoeffer ein Thema angestoßen, das für die Kirche von großer Aktualität bleibt. Von ihr wird heute mit neuer Intensität die Eröffnung eines Raums für die Begegnung mit dem Heiligen erwartet. Zu Recht wird von der Kirche eingefordert, dass sie bei der Auseinandersetzung mit der wieder entdeckten religiösen Tiefenschicht des menschlichen Lebens klare Orientierung gibt. Doch das kann nicht im Sinne einer christlichen Apologetik geschehen, in der die Plausibilität des christlichen Glaubens durch allerlei Erklärungen und Rechtfertigungen des Glaubens deutlich werden soll; die Schwäche einer solchen Lückenbüßer-Theologie hat Bonhoeffer deutlich beschrieben. Vielmehr geht es darum, der systematischen Entleerung des Glaubens entgegenzuwirken und seine Bedeutung für Erfahrung und Wissen wieder neu zu betonen.

Von Bonhoeffer aus erweist sich die neue Zuwendung zur Religion auch unter dem Gesichtspunkt als klärungsbedürftig, ob sie auf Kosten der Mündigkeit des Menschen geht. Dies geschieht beispielsweise, wenn der Glaube an Gott zur Rechtfertigung von Gewalt gegen Menschen missbraucht und damit Gott selbst als Waffe gegen andere Menschen eingesetzt wird. Es geschieht aber auch, wenn der christliche Glaube gegen das wissenschaftliche Wahrheitsbewusstsein ausgespielt wird und der Glaube an Gott als den Schöpfer vom Fürwahrhalten eines zeitgebundenen Weltbilds abhängig gemacht wird. Die Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer nötigt gerade zur Kritik an solchen gegenwärtigen Erscheinungsformen von Religion. Sie hilft zugleich dabei, zwischen der Wirklichkeit Gottes und der Religiosität des Menschen deutlich zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist um beider willen nötig – um Gottes Willen, weil ihm nur auf der Grundlage einer solchen Unterscheidung die Ehre gegeben wird; um der Religion willen, weil sie nur so als das begriffen werden kann, was sie ist – nämlich eine menschliche Aktivität.

Bonhoeffers theologischer Impuls kann dabei helfen, mit diesen Erfahrungen so umzugehen, dass die christliche Wahrheit nicht von einer neuen religiösen Welle verschlungen wird, sondern ihr gegenüber in ihrer klärenden und orientierenden Kraft wirksam wird. Auch im Umgang mit der Wiederkehr der Religion bewähren sich der Respekt vor der Mündigkeit des Menschen und die Überzeugung, dass der Glaube ein Lebensakt ist, der den ganzen Menschen ergreift. Das ist es, was wir gerade heute – in einer Zeit der Wiederkehr der Religion – von Dietrich Bonhoeffer lernen können.

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AUFFÜHRUNGEN

Donnerstag, 31.08.2006, 18.00 Uhr
DORFKIRCHE KLEINMACHNOW

Donnerstag, 31.08.2006, 20.00 Uhr
DORFKIRCHE KLEINMACHNOW

Sonnabend, 02.09.2006, 17.00 Uhr
STADTKIRCHE NEUSTRELITZ

Sonntag, 03.09.2006, 10.00 Uhr
STADTKIRCHE FÜRSTENBERG

Sonntag, 03.09.2006, 17.00 Uhr
ST.-LAURENTIUS-KIRCHE RHEINSBERG

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Darsteller

Musik Matthias Nagel
   
Textkonzeption und Liedtexte Dieter Stork (unter Verwendung von Texten Dietrich Bonhoeffers)
   
Textfassung KM 2006 und Regie Antonia Braun, Bernhard Hanuschik
   
Ausführende Jugendchor der Kantorei Kleinmachnow
   
Dietrich Bonhoeffer Matthis Walter
Maria von Wedemeyer Sarah Radowitz
Sprecher 1 Stefan Gürtler
Sprecher 2 Anne Schill
   
Violine 1 Bettina Mros
Violine 2 Colette Merkel
Bratsche Barbara Flohr
Cello Tobias Vogel
Flöte Jasefine Heicking
Trompete Naama Golan
Klavier Hagen Grahlow
Percussion Johannes Seibt
   
Leitung Karsten Seibt

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letzte Aktualisierung
dieser Seite: 19.10.2011, 10:24

 


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