Evangelische Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow


ev-kirche-kleinmachnow.de > Archiv > Materialarchiv > Gottesdienst in anderer Gestalt am 13.03.2010 — „Wir sahen seine Herrlichkeit“

Gottesdienst in anderer Gestalt
„Wir sahen seine Herrlichkeit“

13.03.2010, Auferstehungskirche

 

Texte

Meditation

E.: Sätze klingen nach.

Meine Gedanken suchen Halt in den Worten.

Un-erhörte Töne dringen an mein Ohr und wollen aufgenommen sein.

Chr.: Die Weisheit wird Mensch in Jesus Christus. „Ihre Sehnsucht nach den Menschen, ihr Schmerz über all ihre verfehlten Wege war so groß, dass es sie nicht mehr im Himmel hielt. Sie kam zur Erde.“

Gott, willst du das wirklich? In meine Zeit kommen? So groß ist deine Sehnsucht, dass du alles verlässt und zu mir kommst? - Willst du das wirklich? Riskierst du es?

Die Weisheit hat sich entschieden.

„Mit dem Augenblick aber, an dem Jesus geboren ist, an dem die Weisheit selbst die Erde betritt, beginnt ein sonderbares Wechselspiel von himmlischer und irdischer Zeit. Es ist, als habe im Himmel eine große Uhr zu ticken begonnen....“

Welch eine Spannung liegt in der Luft! So ernst ist das, was hier gegeben wird?

Du willst, dass ich den Moment erkenne. Den Zeitpunkt nicht verpasse. Dass ich erkenne, wann du zu mir kommst. Doch – wie erkenne ich dich? Woher weiß ich, welches der richtige Augenblick ist? Wann ist der Moment der Entscheidung gekommen?

„Wer Jesus begegnet, der muss sich entscheiden: für oder gegen die menschgewordene Weisheit Gottes. Manchmal dauert eine solche Entscheidung ein ganzes Menschenleben lang.“

Gott, du kennst mich. Du siehst mein Zögern. An alles kann ich ein Fragezeichen setzen! Entscheidungsfreudig bin ich nicht gerade. 100 mal überlege ich: ist das jetzt richtig? Da ist die Angst, etwas falsch zu machen. Die Entscheidung hinterher zu bereuen. - Ich weiß. Bei dir geht es nicht um irgendeine Entscheidung. Nicht um irgendeine belanglose Wahl. Es geht um mein Leben. Es geht um mein Glück, meine Zukunft, mein JETZT. Hilf mir, den Zeitpunkt zu erkennen!

„Wo immer aber Jesus auf Menschen trifft, deren Schicksal aus verpassten Augenblicken besteht, da bleibt plötzlich die Zeit stehen.“ Und für einen Augenblick sind irdische Uhr und himmlische Zeit im Gleichklang. In diesem Augenblick geschehen ungeheuerliche Dinge.“

Verpasste Augenblicke hab ich auch einige gesammelt. Ein Wort zuviel und schon gibt es kein Zurück mehr. Das „Verzeih!“, das nicht über meine Lippen kam. Eine Umarmung, die nicht stattfand. Der Brief, der nicht geschrieben wurde. Das „Ohne mich!“ zu dem ich zu feige war. Der Mut, den ich nicht hatte. Die Augen, die ich schloss. Hilfe, die ich verweigert habe. - Gott, in dieser Hinsicht hab ich einiges zu bieten.

Jesus begegnet Menschen, deren Leben aus verpassten Augenblicken besteht. Er begegnet DIR! - „Und für einen Augenblick sind irdische Uhr und himmlische Zeit im Gleichklang. In diesem Augenblick geschehen ungeheuerliche Dinge.“

Stunden werden eingeschmolzen.

Sätze werden aufgebrochen.

Waffen werden umgeschmiedet.

Sperren werden übersprungen.

Ich weiß, ich erinnere mich. Ich fühle es. Ich kenne auch das. Den neuen Anfang. Die zweite Chance.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.

Mitten im Wort.

Mitten im Streit. Mitten im Tun.

Auferstehung in meinem Leben. Nicht erst irgendwann – nach dem biologischen Tod. Dann vielleicht auch. Würde mich freuen. Aber – ich lasse mich überraschen. Wohl glaube ich, dass du, Gott, Unmögliches möglich machen kannst. Aber meine Zweifel und Fragen kann ich auch nicht übergehen. Verzeih, Gott, dass ich so kleingläubig bin. Aber vielleicht verstehst du mich ja auch. Du warst ja Mensch!

Dorothee Sölle, eine Theologin, die erst vor wenigen Jahren starb, schrieb einmal: „Wir missverstehen Tod und Leben, wenn wir sie als biologische Ereignisse auffassen. Innerhalb der theologischen Sprache haben sie einen anderen, einen umfassenderen Sinn. .... Spielen wir eine Wenn-Konstruktion. Angenommen, Jesus wäre eines natürlichen Todes gestorben. Welchen Sinn sollte dann seine Auferstehung haben? Sie wäre formal dasselbe Wunder, aber nur formal.“

Wenn Jesus an einer Krankheit gestorben wäre, hätte seine Auferstehung nur die Bedeutung: dass das Leben in eine Unendlichkeit verlängert würde. Etwas ohne Aussage über die Qualität seines Lebens, wie es war.

Weiter schreibt sie: „Der Tod wäre nicht die Folge des Lebens, das Jesus entworfen und versucht hat. ...Die entscheidende Dimension des Sterbens Christi ist, dass die Wahrheit Christi sich nicht umbringen lässt, sie leuchtet als das weltverändernde Licht auf.“

Die Wahrheit Christi lässt sich nicht umbringen. Gott, wenn das wahr ist, bedeutet die Auferstehung Jesu, dass du der Wahrheit Recht verschaffst. Jesu Liebe. Seiner Gerechtigkeit. Seiner Barmherzigkeit.

„Die Menschen...“

nicht Gott!

„...haben den zerstört, der sie von Anfang an kannte, liebte und für sie da sein wollte. Auf der verzweifelten Suche nach Rettung für die Welt haben sie den Retter der Welt geopfert. Wenn Gott nicht den Tod seines Sohnes vergibt...“

Hast du ja, Gott, – erstaunlicherweise! Du hättest ja auch sagen können: Ich habe jetzt die Nase voll von diesen Menschen. Wollen die Weisheit zerstören, töten. Lehnen meine Liebe ab. Stattdessen – ein neuer Anfang. Du gibst der Weisheit Recht und holst sie aus dem Tod, vergibst uns! Gibst ihr Recht – gegen uns und für uns.

Das alles, Gott, ist kaum zu begreifen. Ein großes Drama. Ein großes Wunder. Wenn ich das alles auch nicht verstehe, fühle ich mich doch aufgehoben in einem größeren Zusammenhang. Ich sehe den Weg: du willst, dass wir deinen Weg der Liebe mitgehen. Gib uns die Kraft, auch die Schmerzen zu tragen. Denn Liebe gibt es nicht ohne Kreuz.

Aber nicht nur im Kreuz sind wir Christus nah. Auch in seiner Auferstehung. Sie geschieht auch bei uns. Mindestens schon jetzt. Hier und heute.

 


letzte Aktualisierung
dieser Seite: 19.10.2011, 10:24

 


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