Evangelische Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow
Abendmahlspredigt vom 20.02.2011Predigt über Ex 3,1-10Liebe Schwestern und Brüder, heute möchte ich ihnen von einem Menschen erzählen, der für spätere Generationen zum Prototyp des Propheten wurde: Dabei sah es am Anfang gar nicht so aus, als ob aus ihm ein großer Prophet werden würde. Eigentlich sollte er bereits als Baby getötet werden. Seine Mutter übergab ihn lieber den Wellen des Nil. Aus ihnen von der Tochter des Pharaos gerettet, wächst er am Hofe auf. Doch ein Mord veranlaßt ihn zu fliehen. Er geht in die Wüste und findet Aufnahme bei Jithro, einem Priester im Lande Midian. Er heiratet dessen Tochter und hütet seine Schafe. Er ist ein Flüchtling, der sich in der Fremde einrichtet. So ist er vermutlich nicht auf der Suche nach großen Ereignissen und Abenteuern. Doch plötzlich hat Mose, sie haben ihn bestimmt schon lange erkannt, eine Gotteserscheinung: Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, kam er eines Tages an den Gottesberg, den Horeb. Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, dass der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde. »Das ist doch seltsam«, dachte er. »Warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen!« Als der HERR sah, dass Mose näher kam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: »Mose! Mose!« »Ja«, antwortete Mose, »ich höre!« »Komm nicht näher!«, sagte der HERR. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.« Dann sagte er: »Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.« Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen. Weiter sagte der HERR: »Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. Ich weiß, wie sehr es leiden muss, und bin herabgekommen, um es von seinen Unterdrückern zu befreien. Ich will es aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Ich habe den Hilfeschrei der Leute von Israel gehört, ich habe gesehen, wie grausam die Ägypter sie unterdrücken. Deshalb geh jetzt, ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen. So wird uns die Berufung des Mose zum Propheten Gottes beschrieben. Er geht seiner täglichen Arbeit nach. Früh werden die Tiere aus dem Gatter auf die Weide getrieben. Am Tag wacht er, daß sie sich nicht verletzen oder ein wildes Tier über sie herfällt. Und am Abend bringt er sie wieder zurück. Nichts Aufregendes. Es ist die tägliche Brotarbeit, die gemacht werden mußte. Deshalb erwartet er auch nichts Besonderes an jenem Tag. Doch plötzlich wird er doch aufmerksam. Ein Busch brennt in der Sonnenhitze, doch er verbrennt nicht. So beginnt seine Gottesbegegnung. Die alltägliche Situation wird auf einmal zu einem Wunder. Es geschieht das Wundervolle, Gott gibt sich ihm zu erkennen. Gott spricht ihn aus dem brennenden Dornbusch an. Für mich ist dieser Dornbusch ein Sinnbild der Begegnung Gottes mit uns Menschen. Dornige Büsche gibt es selbst in den trockensten Ecken des Sinai. Sie sind Überlebenskünstler und deshalb nichts besonderes in dieser Gegend. Solches Buschwerk kann sich in der gleißenden Hitze auch einmal entzünden. Dies war noch immer nichts besonderes. Erst Gottes Gegenwart läßt diesen Busch nicht verbrennen und macht ihn so außerge-wöhnlich. Das Geheimnis der Gegenwart Gottes geschieht im Alltäglichen und macht dies zu etwas Wunderbarem. In unserer Geschichte ist es der Dornbusch. In diesem Gottesdienst ist es z.B. das Abendmahl. Auch im Abendmahl erfahren wir Gottes Gegenwart. Das alltägliche Ritual von Essen und Trinken und die so einfachen Dinge wie Brot und Wein oder Traubensaft werden durch Gott zu etwas Wunderbarem. Sie vermitteln uns im gemeinsamen Tun Gottes schützende Gegenwart. Das gemeinsame Mahl verbindet uns mit Jesus, der es gestiftet hat, verbindet uns miteinander und verbindet uns mit Gott. Es gibt sehr unterschiedliche Weisen, das Abendmahl zu verstehen. Es ist in der Tradition des letztes Mahles Jesu mit seinen Jüngern ein Gedächtnismahl. Das tut zu meinem Gedächtnis, sagt Jesus. Es ist zugleich ein Mahl, das Gemeinschaft stiftet, so wie oftmals zuvor Jesus bewußt mit Menschen aß und trank, um mit ihnen in eine Gemeinschaft zu kommen. Es ist zugleich ein endzeitliches Mahl, das wie das Gleichnis vom großen Gastmahl die Freude in Gottes Reich schon im jetzt erlebbar machen soll. Die Menschen die dies tun, werden andererseits mit Paulus zum Leib Christi. Und es kann mit Mt („das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“) als Mittel zur Sündenvergebung verstanden werden. In unserer langen christlichen Tradition kommen verschiedenen Zugänge zum Abendmahl immer wieder vor. Doch das letzte Verständnis setzt sich flächendeckend durch und wird entscheidend. Jesus Christus ist für unsere Sünden gestorben und durch das Abendmahl erlange ich Anteil an seinem Werk und wird mir die Vergebung meiner Sünden geschenkt. Deshalb wurde dem Abendmahl dann auch die Beichte vorgelagert, in der man die Sünden bekannte, die vergeben werden sollten. Ich kann hier jetzt nicht über die mittelalterliche Buß- und Abendmahlspraxis sprechen. Doch festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, daß die Kirche beides benutzte, um Menschen klein und abhängig zu machen. Nicht die Begegnung zwischen Gott und Mensch stand mehr im Mittelpunkt, sondern die Kirche, die Gottes Heilsgaben verwaltete. Wir sind Ur-, Urenkel der Reformation. Diese hat mit dem mittelalterlichen Bußwesen aufgeräumt. Sie hat aber am Verständnis des Abendmahles als Mittel der Sündenvergebung festgehalten. Viele Ältere unter uns kennen noch die Praxis der Beichte vor dem Abendmahl. Es wurde viel seltener das Mahl gefeiert, häufig nur zweimal im Jahr. Es war etwas Ehrfurchtgebietendes. Die persönliche Beichte wurde durch ein Beichtgebet im Gottesdienst oder durch die sogenannte offene Schuld abgelöst. Auch dieses wird in den letzten 20 Jahren in unseren Kirchen immer seltener gesprochen. Warum? Weil zum einen die Menschen sich heute nicht Schuld verordnen lassen. Ich möchte mir kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Der autonome Geist ist für sich soweit verantwortlich, daß er selbst entscheidet, wann er „beichten“ will. Dies muß heute keine übergeordnete Instanz vorgeben. Zum anderen hat sich aber durch unsere eigene Abendmahls-praxis auch dessen Verständnis verändert. Heute steht wieder die Feier und die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Denken sie nur an unsere eigene Praxis. Wir stehen im Kreis, knien nicht einzeln vor dem Altar. Wir geben uns Brot und Wein gegenseitig weiter. Wir reichen uns nach dem Mahl die Hände und stellen uns unter Gottes Segen. Hier hat sich in der Praxis vieles getan. Dennoch wurde in unserer Gottesdienstordnung an vielem festgehalten, was das Verständnis der Sündenvergebung in den Mittelpunkt rückt. Ich nenne nur zwei Punkte. Den Gesang „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt.“ Und in den Einsetzungsworten im Kelchwort die Formulierung aus dem Mtev (zur Vergebung der Sünden). Dabei ist der Text der Einsetzungsworte in unserer Liturgie in der Bibel so nicht zu finden. An 4 verschiedenen Stellen werden uns 4 unterschiedliche Texte überliefert. 4 Brotworte und 4 Kelchworte. Nur das Kelchwort bei Mt hat den Bezug zur Sündenvergebung. Unser liturgischer Text ist ein Mischtext, der aber von den 4 Kelchworten bewußt den nach Mt aufnimmt. Ich schildere ihnen das, um zu zeigen, daß hier kein direkter Zugriff auf die biblische Tradition vorliegt, sondern eine bewußte Auswahl aufgrund theologischer Denkmuster. Doch immer mehr Menschen haben gerade mit dieser Interpretation des Abendmahles ihre Schwierigkeiten. Die Feier der heilenden Gegenwart Gottes wird verdunkelt durch das Bild eines Genugtuung verlangenden Gottes, der seinen Sohn stellvertretend für unsere Sünden opfert. Das ist eine mittelalterliche Weltsicht aber nicht mehr die unsrige. Deshalb hat der GKR auf seiner Klausurtagung beschlossen, daß wir uns in unserer Gemeinde besonders mit dem Thema Abendmahl beschäftigen. Wir laden zu einem breiten Diskussionsprozeß ein, an dem sich alle beteiligen können und noch nichts festgelegt ist. Um diesen Prozeß durch praktische Erfahrungen anzustoßen, wollen wir in diesem Jahr immer wieder das Abendmahl unter besonderen Aspekten feiern. Heute steht für mich das Thema Gemeinschaft im Mittelpunkt. Das Abendmahl ist das Wunder, daß wir Gott im Alltäglichen begegnen. Wir treten in eine Gemeinschaft mit ihm. So haben auch wir untereinander Gemeinschaft und werden mit dem Bild des Paulus zum Leib Christi. Das Alltägliche wird durch Gottes Gegenwart wunderbar verwandelt. Mose hat das im brennenden Dornbusch erfahren. Er erfuhr Gottes rettendes Handeln für ihn sein ganzes Volk Israel. Ich habe den Hilfeschrei der Leute von Israel gehört, ich habe gesehen, wie grausam die Ägypter sie unterdrücken. Deshalb geh jetzt, ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen. Gott gibt sich Mose als der Gott seiner Väter zu erkennen. Er knüpft damit bewußt an den Bund an, den er mit ihnen geschlossen hat. Diesen Bund wird Gott am Sinai mit dem Volk erneuern. Dieser Bund bedeutet, daß Gott zu seinem Volk und das Volk zu Gott gehört. Er bindet sich an sie, damit sie leben können. Dieser Kelch ist das Blut des neuen Bundes, sagt Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern. Der Bund mußte früher mit Blut bestätigt werden. So wurde er in Kraft gesetzt. Jesus ersetzt mit seinen Worten das Blut durch den Kelch samt Inhalt. Wenn wir also Wein oder Traubensaft trinken, so bestätigen wir immer wieder den Bund Gottes mit uns. Dies ist die frohe Botschaft. Sie galt in der Wüste dem Mose. Sie gilt in jedem Abendmahl uns. So wollen wir es heute feiern. Amen. Pfr. Jürgen Duschka
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