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Jürgen Stich
Derzeit wird in einem städtebaulichen Wettbewerb ermittelt, wie der alte Kleinmachnower Dorfkern in Zukunft aussehen soll. Bis 1945 bildeten Gutshof, Schloss, Burg und angrenzende Gebäude den Mittelpunkt des Ortes.
Die Ursprünge des Dorfes Kleinmachnow liegen auf dem Areal nördlich des Bäkefließes zwischen Bäkemühle und Dorfkirche. Dort befand sich seit alter Zeit der einzige Übergang über Bäke und Sumpfgebiete, der eine Verbindung zwischen der Festung Spandau, den Städten Berlin und Cölln sowie dem südlich davon gelegenen Teltow und weiter nach Sachsen herstellte. Es ist anzunehmen, dass bereits in slawischer Zeit ein befestigter Ort an dieser Stelle entstanden ist.
Das Landbuch Karls IV. aus dem Jahr 1375 verzeichnet Dorf und Rittergut Machnow, in der damaligen Überlieferung oft Sand-Machenow oder Machenow auf'm Sande genannt, mit insgesamt 48 Hufen. Um das Jahr 1400 erwarb Heinrich von Hake das gesamte Gut. Als „Heinricus Hagke de Machenow gesessen“ wird er in einer Urkunde aus dieser Zeit bezeichnet. Die Einordnung als Schlossgesessener zeigt, dass in Machnow eine Burg existiert haben muss. Es handelte sich um den Vorgängerbau der späteren „Alten Hakeburg“, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und später gänzlich abgetragen wurde.
Die Hohenzollern übertrugen im Jahr 1435 den Lehnbesitz über Machnow und Stahnsdorf sowie andere Ländereien der Umgebung auf die Söhne des Heinrich von Hake, Otto und Heinrich. Bis 1945 blieb die Familie von Hake in ununterbrochener Erbfolge mit diesem Fleckchen Erde verbunden.
Im engeren Gutsbezirk entstanden neben der Alten Hakeburg im Laufe der Zeit die Bäkemühle (im neugotischen Stil umgebaut 1856), die Patronatskirche (errichtet um 1600), Wirtschaftsgebäude und das schlossartige Herrenhaus, das der Geheime Oberbaurat und Schinkellehrer David Gilly um 1800 für die Adelsfamilie errichtete.
Das Dorf Kleinmachnow zog sich am heutigen Zehlendorfer Damm und nördlich am Machnower See entlang. Im „Lindenhäuschen“, um 1800 gegenüber der Mühle errichtet, wohnte der Müllermeister. Es existiert nicht mehr. Nach Norden schlossen sich das Schulhaus (1846) und zwei Landarbeiterhäuser an.
Am Uferweg des Machnower Sees haben sich ein Waldhüterhaus und das Forsthaus erhalten. Letzteres erhielt seine heutige Gestalt 1902 und wurde bis 1936 von Förster Heinrich Funke bewohnt, erster Bürgermeister und einziger Ehrenbürger Kleinmachnows.
Bis auf eine Schmiede und eine Schreinerei gab es keine Handwerksbetriebe im Dorf, das Gasthaus zum geselligen Beisammensein stand an der Grenze zu Stahnsdorf, dort wo der Zehlendorfer Damm in die Potsdamer Straße einmündet.
Bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts blieb Kleinmachnow „das hübsche Dorf am Teltefließ“. Theodor Fontane fand es „reizend gelegen“, lobte die schönen Kastanienalleen und bemängelte allenfalls die „ärmlichen Häuser“. Kleinmachnow werde aber „über kurz oder lang vor die Tore Berlins gerückt sein“, schrieb der märkische Wanderer und nahm damit eine Entwicklung vorweg, die den Ort wenige Jahre später tatsächlich in eine neue Zeit führte.
Bereits im Jahr 1895 verkauften die Vettern Georg und Dietloff von Hake gut 200 Morgen Land westlich des Zehlendorfer Damms am Buschgraben zu Bauzwecken an den Königlich-Preußischen Baurat Carl Gérard. 1903 erwarb die Zehlendorf-Kleinmachnower Terrain-Aktiengesellschaft 264 Morgen auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Bis 1914 wurden dort 21 Villen gebaut.
Mit dem Bau des Teltowkanals und der Kleinmachnower Schleuse in den Jahren 1901 bis 1906 beschleunigte sich die Siedlungstätigkeit auf dem ehemaligen Hakeschen Land. Die Wasserstraße trennte den alten Dorfkern von den Acker- und Waldflächen im Norden, auf denen das „neue“ Kleinmachnow entstand.
Die Erlöse aus dem Landverkauf nutzte Dietloff von Hake zur Errichtung der „Neuen Hakeburg“ auf dem Seeberg. Der 1908 fertiggestellte Bau des Architekten Bodo Ebhardt, den 1937 die Reichspost erwarb und der nach 1945 von der SED genutzt wurde, thront noch heute als Wahrzeichen der Gemeinde über dem Machnower See.
Die Einwohnerzahl Kleinmachnows stieg von 500 im Jahr 1920 auf knapp 6000 im Jahr 1935. Erst der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stoppte diese stürmische Entwicklung.
Während die Siedlungen nördlich des Kanals größtenteils unversehrt blieben, wurde der alte Dorfkern durch Kriegseinwirkung schwer heimgesucht. Das Gillysche Herrenhaus fiel am 24. März 1943 Brandbomben zum Opfer.
Der Städtebauliche Wettbewerb
- Von Juni bis September 2008 findet ein städtebaulicher Wettbewerb zur Gestaltung des Kleinmachnower Dorfkerns statt.
- Künftige Neubauten sollen sich harmonisch in das historische Ensemble aus Kirche, Medusenportal und Bäkemühle einfügen.
- Geplant ist bislang, dass auf dem ehemaligen Gutsgelände auf den Grundrissen der zerstörten Wirtschaftsgebäude ein Saal für 600 Menschen und entsprechende Wirtschafts- und Sozialräume entstehen. Auftraggeberin für das neue Gemeindezentrum wäre die Evangelische Kirchengemeinde.
- Neun Juroren, darunter Kleinmachnows Bürgermeister Wolfgang Blasig und Gemeindevertreter werden den Sieger des Wettbewerbs küren. Fünf Architekten sind beteiligt.
- Anhand der Wettbewerbsergebnisse wird ein Bebauungsplan für das Gebiet erarbeitet. Stimmen die Gemeindevertreter diesem zu, dann folgt ein Architekturwettbewerb, der Gestaltungsideen für die einzelnen Gebäude erbringen soll.
- Umstritten ist die benötigte Anzahl von Parkplätzen. Dies könne sich nur im städtebaulichen Wettbewerb lösen, sagt Bodo Bohn, neuer Gemeindekirchenratsvorsitzender der Evangelischen Auferstehungsgemeinde. Zugleich weist er darauf hin, dass gerade die Parksituation ein großes Problem am alten Standort Auferstehungskirche war: „Der Wettbewerb muss hier Antworten bringen“.
- Ein evangelischer Kindergarten sei ebenfalls angedacht, so Bohn. In diese Richtung plant auch die Hoffbauerstiftung am Schwarzen Weg. Bedarf sei da, die Trägerschaft müsse geklärt werden, so Bohn.
- Interesse zeigt die Kirche an einem Senioren- und Jugendzentrum, dies könnte am neuen Standort aber auch im Gemeindehaus der Auferstehungskirche verwirklicht werden.
.jpg) Vom Gasthaus, über die Dorfschule, bis zur Kegelbahn, der alte Dorfkern im Gutsbezirk derer von Hake bot so einiges. |
.jpg) Historische Ansicht des alten Gutshofes. Hier sollen Gebäude für ein evangelisches Gemeindezentrum entstehen. |
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letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.10.2011, 10:24
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