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Die Kirchturmsanierung – wer sucht, der findet (Teil 5)

Restauratoren von Gemälden oder Archäologen kennen den Moment, wenn eine Schmutzschicht entfernt oder die Tür zu einer bisher verborgenen Kammer geöffnet wird: Es kommt etwas aus vergangener Zeit zum Vorschein.

Ähnlich ergeht es gerade den Zimmermännern (es sind auch nur solche hier vor Ort), die nun mit dem Austausch der die Laterne tragenden Stiele begonnen haben. Was sie entdecken konnten, erfahren sie gleich – wenige Sätze weiter.

Um mit dieser Arbeit überhaupt beginnen zu können, hatten sie sich in Abstimmung mit dem Statiker mitten in das Turmfachwerk hinein eine Arbeitsbühne gebaut, denn das Außengerüst darf nicht belastet werden und auf irgendetwas müssen sie ja stehen, wenn hunderte Kilogramm schwere Hölzer ausgebaut und durch neue ersetzt werden müssen. Schließlich gibt es nur im Turnsport Schwebe-Balken und selbst dort kommen sie nicht ohne Füße aus.

Zudem wurden die im Juli außen vorgesetzten „Andreaskreuze“, die eine weitere Drehung der Laterne verhindern sollten, nach innen verlegt. Nur so konnte der erste marode Eckpfeiler ausgebaut und durch einen Ständer aus Kiefernholz ersetzt werden.

Dabei stießen die Bauhandwerker auf einen Verbund von Materialien aus verschiedenen Epochen, die den Schluss zulassen, dass sich in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder statische Mängel am Turm zeigten, die behoben werden mussten: Die ursprünglichen Eichenstiehle wurden aufgedoppelt, mit geschmiedeten, zum Teil innen liegenden Nägeln und Eisen bewehrt, mit lastabtragenden Teilhölzern ergänzt und das im Laufe der Zeit „Gewachsene“ zuletzt mit Klammern am innenliegenden Stahlgerüst gesichert – eine wahre bauhistorische Fundgrube.

Eine nähere Betrachtung der Turmkonstruktion veranschaulicht auch die Bedeutung statischer Berechnungen, die die Tragfähigkeit der tonnenschweren Dachkonstruktion  garantieren sollen – vielleicht auch eine praxisorientierte Fundgrube für das benachbarte Weinberg-Gymnasium, laut Wikipedia „eine mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch orientierte Schule“, die übrigens bei der letzten bundesweiten Mathematik-Olympiade hervorragend abgeschnitten hat.

Rainer Leimgruber

08.09.2022

Die Kirchturmsanierung hält, was sie verspricht (Teil 4)

Genau genommen war die in den 1970er Jahren vorgenommene, aus heutiger Sicht denkmal-un-gerechte Reparatur des Kirchturms eine prophetische Maßnahme, denn nur dank ihr blieben größere Schäden, schlimmstenfalls der Einsturz des Turmdaches aus.

Umso unruhiger wurden alle Beteiligten, als kürzlich bei der - dem Turm aufgesetzten – Laterne eine „leichte Neigung“ attestiert wurde. Beim Blick auf die einst haltgebende Konstruktion kann man sich leicht ausmalen, was bei einem Unwetter mit Orkanböen vielleicht hätte passieren können.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? So einfach ist das auch hier nicht, eher schwer. Denn wieder einmal mussten zur Sicherung der potentiellen Umfallstelle dicke Bohlen mit viel Zimmermannskraft nicht nur nach oben befördert, sondern auch mit viel Augenmaß in das vorhandene Altholz der Laterne eingefädelt werden.

Da es sich ja nur um eine provisorische Maßnahme handelt, bis die im Juli bestellten Eckstiele eintreffen, muss sie mit dem gleichen Aufwand wieder rückgebaut werden. Parallel zu dieser Stützkonstruktion müssen dann später die neuen Tragstiele für die Laterne eingepasst werden. 

Wie das im Detail vonstattengehen kann, daran tüftelten bei der letzten Baubesprechung Mitte August Architekt, Statiker und die direkt Beteiligten, die Zimmerleute. Lastabtrag-Querriegel-Schulterstrebe-Druckstoß-Stirnversatz – die Fachbegriffe schwirrten hin und her.

Immerhin scheint man eine Lösung gefunden zu haben, zu der vorerst nur der Statiker seinen letzten Segen zu Papier bringen muss.

„Richtig Ernst“ wird es dann, wenn - frühestens Ende September - die wuchtigen Eckstiele geliefert werden.

Rainer Leimgruber

16.08.2022

Die Kirchturmsanierung ruht voran - 2022 (Teil 3)

Nach dem Schreckensbefund im Mai – „gesamte Konstruktion der Laterne erneuerungsbedürftig“ – ist auf der Baustelle erst mal Ruhe eingekehrt.

Für eine genauere Lageeinschätzung musste zunächst die bis dahin verkotete Turmluke freigelegt und die Kupferverkleidung abgenommen werden, die ihre Aufgabe als Witterungsschutz der Laterne offensichtlich nicht wie erwartet erfüllt hatte (siehe Bild 1 und 2).

Das Schadensbild ist nun doch nicht so katastrophal wie zunächst befürchtet, allerdings immerhin so „schwerwiegend“ , dass die rund 4 m langen und ca. 32 x 38 cm starken, die Laterne tragenden Holzstiele – auch wegen einer leichten Neigung der Laterne - ersetzt werden müssen.

Jetzt zeigt sich die vor fast 50 Jahren vorgenommene Stützkonstruktion aus Stahlträgern, die das Gewicht des Turmes einschließlich der Laterne - von außen unsichtbar – abfangen, als wahrer Segen (Bild 3).

Denn „ohne“ wäre das stückenweise Erneuern der Hölzer ein gewagtes Unterfangen: Stellen Sie sich einen vierbeinigen Stuhl vor, bei dem ein Bein abgesägt wird um es zu ersetzen. Wenn der Stuhl nicht abgestützt wird, fällt er aller Voraussicht nach um.

Mit der Laterne auf dem Turm der Dorfkirche wäre es kaum anders, eher würden Teile des Turms gleich mit einstürzen. Wer jetzt auf das riesige Baugerüst  verweist, muss leider enttäuscht werden: Es ist nur für die Bauleute bestimmt und darf keine zusätzlichen Lasten aufnehmen.

Dank des Stahlkorsetts soll es nun gelingen, obwohl auch das schwierig genug ist. Immerhin müssen die mehrere hundert Kilogramm schweren Balken aus Kiefernholz fast 30 m hoch gezogen werden, was nächste Fragen nach einem geeigneten Kran bzw. einem geeigneten Untergrund aufwirft.

Noch ist genügend Zeit dies „in Ruhe“ zu klären: Die Hölzer müssen mindestens 10 Wochen kammergetrocknet werden. Frühestens Ende August können sich die Zimmerleute dann ans Werk machen.

Welche „Zinken“ (Bild 4) sie dann nach dessen Vollendung hinterlassen – man darf auch hier gespannt sein.

Rainer Leimgruber

20.07.2022

Die Kirchturmsanierung geht voran - 2022 (Teil 2) - aber wohin?

Pünktlich am „Osterdienstag“  kam der Mietkran an, mit dessen Hilfe die Mitarbeiter der „Zimmerei Lars Dinse“ aus dem Löwenberger Land die ersten Balken auf den Turm heben konnten. 

Zuvor hatten sie auf dem alten Pflaster vor der Dorfkirche die jeweils über 350 Kg schweren Teile ausgebreitet, um deren korrekte Lage passgenau „anzureißen“ -  freischwebend  in rund 20 Meter wäre etwas schwieriger geworden. 

Denn die auf der Mauerkrone des Turms ruhenden Balken müssen nahezu vollständig ersetzt werden, sollen sie doch künftig die tonnenschwere Last der Laterne aufnehmen. Etwas weniger „belastend“ ist die Arbeit an den Traufbalken – hier ist beim Ausbessern der maroden Hölzer die Schnitz- und Stemmkunst der Zimmerleute gefragt. 

Der Abschluss dieser Arbeiten einschließlich der Dacheindeckung mit Tonziegeln war eigentlich für August 2022 geplant, aber der heutige Blick hinter die Kulissen – genauer hinter die Kupferverkleidung der Laterne -  wird den Zeitplan vermutlich Makulatur werden lassen.

Da Sie vermutlich noch nie in einer Turmlaterne waren, hier eine kleine Beschreibung dessen, was Sie erwarten würde: Stellen Sie sich einen viereckigen, 3 mal 3 Meter großen Gartenpavillon vor, also nach allen Seiten offen.

Die Pfosten bestehen hier allerdings aus sehr dicken Eichenstielen, die rundherum mit Kupferblech verkleidet sind. Die Stiele sind unten mit querliegenden Hölzern versteift, auch sie sind – genauso wie der Boden zwischen den Pfosten mit Kupferblech verkleidet.

Dadurch ist eine kleine Wanne entstanden, in der sich Regen- oder Tauwasser ansammelt, das durch die großen fensterartigen Öffnungen dort hinein gelangen kann.

Um es wieder hinauszulassen, wurde einst am Boden der “Wanne“ ein kleines  Abflussrohr eingebaut. Auch durch die in der Mitte der Wanne befindliche Luke, durch die ein – falls es ihn mal gab - Turmwärter hinauf zu einer weiteren Glocke unter dem Laternendach hätte steigen können, hätte stehendes Wasser bemerkt werden können.

Sie merken an den „hätte“s  –  hier stimmt etwas nicht. Nur aus Sicht der Vögel, die sich hier hin und wieder eingenistet hatten, war alles in Ordnung. Jedoch haben sich ihre Hinterlassenschaften in den letzten 50 Jahren zur beeindruckenden Höhe von etwa 25 cm angesammelt, die weder einen Turmwärter zur Glocke, noch das angesammelte Wasser in das edle Abflussrohr gelangen ließen.

So nahm erst das Stauwasser und im Laufe der Zeit das Unheil seinen eigenen Lauf und schob sich an vermutlich undichten Stellen der Kupferverkleidung  entlang zu den Stützpfosten und den Verstrebungen der Laterne.

Wer nach jahrzehntelangem Fäulnisprozess jetzt eigentlich was stützt, ist nicht ganz klar. Ganz klar ist dagegen aus Sicht der Bauleute, dass die gesamte Konstruktion der Laterne erneuerungsbedürftig ist.

Wie das geschehen kann, ist eine technische Frage, ob es geschehen kann wohl eine Frage der Finanzierung – zusätzliche Kosten sind zu befürchten.

 Rainer Leimgruber

10.05.2022

Die Kirchturmsanierung geht voran - 2022

Im Moment ist sie nicht zu sehen – die Laterne am Kirchturm der Dorfkirche.

Seit Monaten versteckt sie sich - vor Wind und Wetter geschützt – gut eingerüstet hinter dicken Planen und einer festen Abdeckung.

Allerdings beherbergt diese Laterne kein nächtliches Licht, das den Weg zum Himmel weist. Im Gegenteil: Das Tageslicht soll durch Öffnungen im Dachaufsatz in das Innere des Glockenturms fallen.

Die aktuelle Verdunkelung verhindert das - die tragenden Elemente der Laterne sind nach jahrlanger Fäulnis morsch und müssen dringend instandgesetzt werden.

Unter den strengen Augen der Denkmalpfleger – die müssen so gucken – werden auch Mängel früherer Sanierungen behoben: Die damals ersatzweise eingebaute Bohlen weichen nun stämmigen Balken und die mächtige Stahlklammer zur Stützung der Laterne wird zurückgebaut.

Solange es um kleinere Schäden am märkischen Kiefernholz geht, werden sie zimmermannsmäßig weggestemmt und durch neue „Einlagen“ ergänzt. 

Ein Komplettaustausch aber bringt auch die Fachleute zum Nachdenken: Wie haben es die Handwerker vor gut 500 Jahren geschafft einen 800 kg schweren Balken auf den Mauerkranz des Kirchturms zu hieven?

Denn das steht jetzt wieder an und die Frage ist in diesem Fall schnell beantwortet: Ein großer Kran wird die schwere Last in der Woche nach Ostern auf sich nehmen.

Rainer Leimgruber

12.04.2022

Die Dorfkirche

Text - Uwe Scholz

Eine Dorfkirche ohne Dorf

Eine "Dorfkirche" in der eigentlichen Bedeutung des Wortes war die Dorfkirche von Kleinmachnow in den bisherigen 400 Jahren Ihres Bestehens eigentlich nur vorübergehend. Ursprünglich gehörte sie zum Gutshof der Grundbesitzerfamilie Hake und war Tochterkirche der Dorfkirche von Stahnsdorf. Sie dürfte für das "gemeine Volk" tabu gewesen sein und diente der Familie Hake zur Repräsentation, für exklusive Gottesdienste und für Begräbnisse.

Erst als um die Mitte des 17. Jahrhunderts das Straßendorf Kleinmachnow entstand, fanden Sonntagsgottesdienste abwechselnd in Kleinmachnow und in Stahnsdorf statt. Da sich Kleinmachnow immer weiter nach Norden ausdehnte, befindet sich die Kirche heute am äußersten Rand des Ortes. Zur Zeit der Expansion Kleinmachnows in den 20-iger und 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde ein Gemeindehaus am anderen Ende des Ortes gebaut. Dieses wurde 1953 zur Auferstehungskirche erweitert. Seit die Dorfkirche 1993 aus dem Staatseigentum an die Gemeinde übertragen wurde, wird sie liebevoll restauriert. Genutzt wird sie zu besonderen Gottesdiensten, zu Hochzeiten und für viele Veranstaltungen. Zu solchen Anlässen "platzt sie aus allen Nähten". Als ältestes erhaltenes Gebäude ist sie für viele Einwohner Kleinmachnows das Bindeglied zur Vergangenheit ihres Ortes.

 

Spuren der Hakes

Der Bau der Kirche wurde in Auftrag gegeben durch Margarete von Hake. "Die Patronatsfamilie wollte sich weitgehende Privilegien sichern, ihre Verdienste darstellen, und der heilige Ort sollte zum Seelenheil der Verstorbenen beitragen."1 Familienmitglieder der Hakes wurden im 17. Jahrhundert im Innenraum der Kirche, um den Altar herum, bestattet. Später erfolgten die Bestattungen in der nachträglich angebauten Gruftkappelle an der Nordseite der Kirche. Zeugnisse dafür sind Grabplatten, Schausärge in der Gruftkappelle und Grablegen im Boden des Altarraumes. Die Hakes hatten sich 1539 noch vor dem Kurfürsten vom katholischen Glauben losgesagt. Die 1597 fertiggestellte Kirche neben der alten Hakeburg war dann auch eine der ersten evangelischen Kirchenbauten in der Mark Brandenburg. Die Idee einer exklusiven "Eigenkirche" für die Grundbesitzerfamilie und Bestattungen am Altar sind allerdings Relikte katholischen Brauchtums.

Ein Foto, das um das Jahr 1900 entstand, zeigt den Kirchenraum im reichen Schmuck von Wappen, Fahnen und Kränzen. An Leben und Taten von Mitgliedern der Hakeschen Familie erinnern heute noch Grabsteine, Epitaphien und Wappentafeln in der Kirche. Von der Patronatsloge, die vermutlich eingebaut wurde, als die Kirche für die Dorfbevölkerung geöffnet wurde, sind nur noch einige Stühle erhalten.

Das steinerne Sühnekreuz, das heute an der Friedhofsmauer lehnt (Foto), soll einer Legende nach an einen Junker erinnern, der von einem Hake auf offener Straße erstochen wurde, weil er sich heimlich mit dessen Ehefrau traf.

Insgesamt war die Kirche für die Familie Hake eine kostspielige Angelegenheit. Immer wieder mussten notwendige Reparaturarbeiten aus Geldknappheit unterbleiben. Ende 1759 beantragte Erdmann Friedrich von Hake sogar, die Stahnsdorfer Kirche "einzuziehen" und deren Vermögen auf die Kleinmachnower Kirche zu übertragen. Dies wurde vom König Friedrich II. jedoch nicht bewilligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Hakes enteignet und das Gut ging samt der Kirche in Staatseigentum über.

Archtektur

Das Gebäude ist stilistisch als spätgotisch einzustufen. Kennzeichen dafür sind das Netzgewölbe und der Eingangsturm. Hohe, festungsartige Quertürme sind typisch für Kirchenbauten in der Mark Brandenburg im 13. bis 16. Jahrhundert. Auch die in den Kirchensockel eingemauerten unbehauenen Feldsteine sind typisch für den Baustil der Zeit. Sie können nicht als Beleg für das Vorhandensein einer früheren Kirche am selben Ort herangezogen werden. Ungewöhnlich ist, dass die Backsteinmauer unverputzt ist und aus unterschiedlich gefärbten Ziegeln besteht. Es sind sogar einige blau lasierte Ziegel eingefügt. Durch historische Quellen widerlegt ist die Legende, dass zwei Schwestern Auftraggeberinnen gewesen seien, die durch die unterschiedliche Färbung der Steine ihren Anteil am Bau kenntlich machen wollten.

Dass es sich um einen evangelischen Kirchenbau handelt, erkennen zumindest Kirchenhistoriker daran, dass das "raumgestaltende Prinzip" die Horizontale ist.

Im Kirchenraum sind die Fußbodenplatten noch weitestgehend original erhalten, im Altarraum wurden sie ersetzt. Von den ursprünglich drei Turmglocken wurde eine im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Die ursprüngliche Butzenverglasung der Fenster wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Gruften

"Kirchenbestattungen sind schon seit der Spätantike bekannt. Sie haben ihren Grund in der Vorstellung, dass von der räumlichen Nähe zu den Gräbern und Reliquien der Märtyrer und Heiligen am Altar deren Fürbitte und Beistand für die Zeit bis zur Auferstehung und zum Tag des jüngsten Gerichts zu erwarten sei."1 Kirchenbestattungen gehörten zu den Vorrechten, die nach dem "Decretum Gratiani" (erlassen um 1140) Bischöfen, Äbten, Priestern und verehrungswürdigen Laien (vor allem Kirchenstiftern!) vorbehalten waren.

Im Altarraum kamen bei Restaurierungsarbeiten im Winter 1993/94 vier Gruftanlagen zum Vorschein. Alle sind in christlicher Tradition in west-östlicher Richtung angeordnet. Drei der Gruften sind ziegelgemauerte Kammergräber mit Tonnengewölbe und einer Größe von ungefähr 2,60 m x 1,60 m. Die vierte Gruft ist ein Kammergrab mit Plattenabdeckung und 2,40 m x 1,14 m groß. Von anderen Anlagen aus der gleichen Zeit ist bekannt, dass sie zwischen 1,20 m und 1,80 m tief sind.

Die Gruftkappelle an der Nordseite der Kirche wurde von Ludwig von Hake 1703 in Auftrag gegeben. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert wurden an vielen Kirchen der Gegend Grufträume angebaut. Einerseits kommt darin zum Ausdruck, dass der Platz in den Kirchenräumen knapp wurde, andererseits gehen Historiker davon aus, dass man sich durch Aufbahrung vieler Familiensärge in einer gemeinsamen Halle seinen Ahnen und Vorfahren verbundener fühlte. Im "Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten" wurden 1794 Bestattungen im Kirchenraum in Preußen generell verboten.

Prominentester Leichnam im Kleinmachnower Kirchenboden ist der des "berüchtigten Haudegens und Raufbolds"1 Hans Georg von Hake, der nach dem Mord am Cöllner Bürgermeister Johannes Wedigen 1637 vor der Laube des Cöllner Rathauses öffentlich hingerichtet wurde.

Heimkehr

Die Holzplastik im Vorraum neben dem Eingang zum Kircheninneren nannte Hermann Lohrisch "Heimkehr". "Ihr liegt Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn (Luk. 15) zugrunde. Zunächst war es eine Zeichnung, die Hermann Lohrisch 1958 auf der Augustusburg schuf. Sie entstand in einer Zeit innerer Emigration, wie er selbst sagt. Nach dem Erleben der Feuernacht von Dresden 1945 und unter dem Eindruck einer neuerlichen Bedrohung durch die Auswirkungen menschenverachtender und seelenloser Gewalt sucht ein Mensch seine Sehnsucht auszudrücken, seine Sehnsucht nach Geborgenheit. Zugleich aber ist für ihn diese Bildgeschichte mit der Gestalt des Vaters auch ein Aufruf, einander zu tolerieren, den anderen anzunehmen oder, biblisch gesprochen, den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Vor-Bild für diese Zeichnung war für Hermann Lohrisch das Bild Rembrandts Die Rückkehr des verlorenen Sohnes (1669). Plastische Gestaltung fand die Zeichnung 1971/72 in Kleinmachnow [...]. Seit 1982 steht diese Plastik am Ein- und Ausgang der Kirche. Sie soll nicht nur ein Bild sein. Sie mag dem, der eintritt, eine Einladung werden und dem, der wieder nach draußen geht, eine Erinnerung bleiben: es gibt für uns alle eine Heimkehr, sie ist unsere letzte Geborgenheit."1

Friedhof

An der nördlichen Kirchenmauer finden sich die Grabsteine einiger hier begrabenen Mitglieder der Familie Hake. Darunter sind die Gräber von Dietloff und Auguste von Hake, der letzten hier begrabenen Familienmitglieder vor der Enteignung der Familie. Auf der anderen Seite des Friedhofs wurden bis 1980 noch Kleinmachnower bestattet.

Besuchszeiten

Die Kirche ist sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr (April bis November) und zu Gottesdiensten, Konzerten und Veranstaltungen geöffnet.

 

weitere Informationen

Ausführliche Informationen und eine kirchengeschichtliche Einordnung der Innenausstattung der Kirche finden Sie in den als Quelle für diese Zusammenfassung benutzten Broschüren. Die Broschüren liegen in der Dorfkirche und im Gemeindehaus aus.

 

Quellen

1  H. Faensen, B. Faensen, R. Elliger, Die alte Kirche in Kleinmachnow, Hrsg.: Gemeindekirchenrat der Evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde in Kleinmachnow, 1997

2   B. Engel, Die Dorfkirche zu Kleinmachnow, Verlag Wiesjahn GmbH, 1997

 

 

Letzte Änderung am: 12.09.2022